Discussion Workshop and Livestream:

DIY Hack the Panke

Microplastics and Coexistence
Kat Austen und Nana MacLean


Mittwoch 22. April 2020, 17:30 - 19:00 Uhr


Was wir als unsere Umwelt betrachten, enthält eindeutig und allgegenwärtig Kunststoff. Er wurde bereits am Rande der menschlichen Reichweite gefunden: auf dem Gipfel des Mount Everest, im arktischen Eis und am Boden des Marianengrabens. Plastik wird Teil unserer Geologie und der lebendigen Umgebung vieler Organismen auf diesem Planeten – ein neues Material und ein Habitat, das neue Geschichten und Lebensformen hervorbringt.


Dokumentation: Microsplastics & Coexistence with Kat Austen and Nana MacLean, 22. April 2020


Der Überfluss dieses vom Menschen geschaffenen Materials stellt unsere Vorstellungen von den natürlichen und ehemaligen Abfall- und Mülldeponien in Frage und könnte ein neues fruchtbares Potenzial erhalten haben: Bäume wachsen auf Plastikdeponien, Bakterien und Pilze entwickeln sich, um sich von PET zu ernähren. Plastik stört vielleicht unsere Idee von Natur, aber stört es wirklich die Natur selbst?

Während Plastik die Qualität eines Ökosystems beeinträchtigen kann, ist die Verschmutzung durch Plastik auch eine Kohlenstoffsenke, die Kohlenstoff speichert und Kohlendioxid und Methan von der Atmosphäre fernhält. Aber ist diese Kohlenstoffsenke, die selbst eine Verkörperung industrieller Prozesse ist, die zur Klimakrise beitragen, eine Konkurrenz oder Ergänzung zu den Wäldern? Mit Hilfe von DIY-Wissenschaft und künstlerischer Forschung arbeitet Kat Austen für ihr Projekt Stranger to the Trees* an einem neuen Projekt, das die Koexistenz von Mikrokunststoffen mit Birken erforscht.

Im Boden sind Mikroorganismen an Abbauprozessen von sowohl natürlichem als auch synthetisiertem Material beteiligt. Um ein erstes Verständnis der Plastisphäre als lebendes Mikrohabitat zu entwickeln, begann Nana MacLean mit der Charakterisierung der mikrobiellen Gemeinschaft auf Kunststoffabfällen im Boden und auf Deponien, die sie während ihrer Doktorarbeit besucht hat. Mit molekularen Daten in der Hand fragt sie sich, ob bakterielles Leben nicht bereits die Plastisphäre als eine neue Natur "besitzt".

In den Workshops (Un)Real Ecologies von Nana MacLean und Kat Austen im Kontext der Gruppe DIY Hack the Panke erforschen die Teilnehmer*innen gemeinsam die Koexistenz von Mikroplastik mit dem Fluss Panke in Berlin Wedding. Die Workshop-Reihe Sushi-Roulette verwendet DIY-Chemie, um nach Mikrokunststoffen in Fischdärmen zu suchen. Die Koexistenz von Kunststoff mit nicht-künstlichen Entitäten in der Umwelt und mit dem Menschen ist ein aufstrebendes Forschungsgebiet, das durch partizipative interdisziplinäre Techniken erforscht wurde und aus vielen verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden sollte.

Am heutigen Tag der Erde diskutieren Kat Austen und Nana MacLean gemeinsam über die Koexistenz von Mikrokunststoffen in der Umwelt und darüber, was dies für die Natur und uns selbst bedeutet. Während dieses Online-Gesprächs werden wir Sie/ Euch einladen, mit uns als Künstlerin, Chemikerin und Biologin, Bäume und Bakterien, Menschen und Partikel die Plastisphäre zu besuchen – und gemeinsam einen Plan für die Koexistenz mit Mikrokunststoffen auf diesem Planeten auszuhandeln.



Kat Austen ist eine Abfolge von Erfahrungen und eine Ansammlung von Bestrebungen. Sie kreiert künstlerische Projekte, die vielfältige Erkenntnisse erforschen, von Musik über verkörpertes Wissen bis hin zu DIY-Wissenschaft, und konzentriert sich auf emotionale Verbindungen zwischen dem, was wir als intern und extern betrachten. Kat ist Dozentin für Kunst und Wissenschaft an der Universität von Leeds, hält Vorlesungen über das BASC-Programm für Kunst und Wissenschaft der UCL und ist Artist in Residence an der UCL-Fakultät für Mathematik und Physikalische Wissenschaften. Frühere Aufenthalte umfassen NYU Shanghai Gallery und ArtOxygen. Kat war Gründungsmitglied des London Creative Network-Programms. Sie lebt in Berlin.

Joana MacLean studierte Biologie an der UvA Amsterdam und hat ihr Masterstudium in Molekularbiologie an der Universität Potsdam abgeschlossen. Neben ihrem Studium war sie an Projekten beteiligt, die die Grenzen zwischen disziplinären Systemen und Methoden überschritten - sowohl spekulatives Design als auch performative Kollaborationen. Als Doktorandin forscht Nana derzeit über mikrobielle Gemeinschaften in anthropogenen Landschaften und kunststoffverschmutzten Böden am GFZ Helmholtz-Zentrum Potsdam. Ihre Forschung konzentriert sich auf Plastik als biologischer Lebensraum und erforscht darüber hinaus zukünftige Ökologien und Forschungsbereiche, die Storytelling und andere einfallsreiche Methoden beinhalten. Nana lebt und arbeitet in Potsdam und Berlin.

DIY Hack the Panke ist ein Kollektiv von Künstler/innen, Wissenschaftler*innen und Kurator*innen, das das reiche historische und ökologische Erbe der Panke in Mitte, Wedding und Pankow erforscht. Wir danken Panke e.V. für ihre Mitarbeit in diesem Workshop und dem Fachbereich Kunst und Kultur Bezirksamt Mitte und dem Bezirkskulturfonds für ihre großzügige Unterstützung unseres öffentlichen Programms 2019.
Mehr Informationen zu DIY Hack the Panke.



Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit dem Projekt DIY Hack the Panke.



Mit der Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europe:



Besondere Dank an Ken Rinaldo

     
Kooperationspartner:

https://plastisphere.hotglue.me


*Stranger to the Trees is realised within the framework of the European Media Art Platforms EMARE program at WRO Art Center with support of the Creative Europe Culture Programme of the European Union"




 

 

Mit langfristiger Unterstützung von: