Workshop:

(Un)Real Ecologies - Microplastics

Kat Austen & Nana MacLean

7./8. July 2018


Bilder: Kat Austen

Plastik hat Wasser, Erde und unsere Körper durchdrungen. Es ist die neue Ikone unserer Zeit. Während des Workshops (Un)Real Ecologies: Mikroplastik werden wir das Vorhandensein von Mikroplastik im Fluss Panke nahe von Art Laboratory Berlin erforschen. Wie (ko)existieren Organismen und Mikroorganismen mit diesen von Menschen hergestellten Materialien? Wir werden die Wasserproben untersuchen, um ein neues Verständnis über das Panke-Ökosystem zu bekommen. Plastik ist gegenwärtig ein wesentlicher Teil davon - ein Mikrokosmos, der uns fragen lässt: "Was ist Natur?"

Kat Austen ist eine Abfolge von Erfahrungen und eine Ansammlung von Bestrebungen. Sie kreiert künstlerische Projekte, die vielfältige Erkenntnisse erforschen, von Musik über verkörpertes Wissen bis hin zu DIY-Wissenschaft, und konzentriert sich auf emotionale Verbindungen zwischen dem, was wir als intern und extern betrachten. Kat ist Dozentin für Kunst und Wissenschaft an der Universität von Leeds, hält Vorlesungen über das BASC-Programm für Kunst und Wissenschaft der UCL und ist Artist in Residence an der UCL-Fakultät für Mathematik und Physikalische Wissenschaften. Frühere Aufenthalte umfassen NYU Shanghai Gallery und ArtOxygen. Kat war Gründungsmitglied des London Creative Network-Programms. Sie lebt in Berlin.

Nana MacLean studierte Biologie an der UvA Amsterdam und hat kürzlich ihr Masterstudium in Molekularbiologie an der Universität Potsdam abgeschlossen. Neben ihrem Studium war sie an Projekten beteiligt, die die Grenzen zwischen disziplinären Systemen und Methoden überschritten - sowohl spekulatives Design als auch performative Kollaborationen. Als Doktorandin forscht Nana derzeit über mikrobielle Gemeinschaften in anthropogenen Landschaften und kunststoffverschmutzten Böden am GFZ Helmholtz-Zentrum Potsdam. Ihre Forschung konzentriert sich auf Plastik als biologischer Lebensraum und erforscht darüber hinaus zukünftige Ökologien und Forschungsbereiche, die Storytelling und andere einfallsreiche Methoden beinhalten. Nana lebt und arbeitet in Potsdam und Berlin.


Der Workshop

Der Panke-Fluss ist ein kleiner Fluss, der etwa 20 km nördlich von Art Laboratory Berlin in der Nähe der Kleinstadt Bernau beginnt. Auf dem Weg in die Stadt Berlin verwandelt sich die Panke in einen begradigten Stadtbach, der Regen und Mischwasser aus den umliegenden Bezirken aufnimmt. Wir werden zwei Abschnitte der Panke erkunden; ein "oberer" Teil um ALB herum ist von Parks, grünen, buschigen Wasserflächen und einer sumpfigen Aue begrenzt. Je weiter stromabwärts wir gehen, desto stärker wird das Ökosystem durch städtische Faktoren beeinflusst. Der "untere" Teil der Panke, den wir um die Gerichtstraße erkundet haben, zeigt bereits eine geringere Wasserpflanzenvegetation auf als auf dem "oberen" Teil. Um (Mikro-)Plastik aus dem Wasserstrom zu sammeln, haben wir feine Netze im Fluss platziert, die alle Partikel sammeln, die über Nacht durch diesen Teil der Panke geflossen sind.

Um die Intensität des menschlichen Einflusses in den verschiedenen Teilen der Panke nachvollziehen zu können, haben wir Wasser von diesen beiden Teilen der Panke verglichen. Wir haben nach sichtbaren Wechselwirkungen zwischen Kunststoffen und Biota in und um die Panke gesucht. Fragen wie diese haben uns interessiert: Wie leben Organismen und Bewohner der Panke mit Plastik in ihrem Lebensraum?

Kunststoffe haben unterschiedliche Formen, Texturen und Materialeigenschaften. Ihre chemischen Eigenschaften machen sie in der Regel sehr resistent gegen natürliche Abbauprozesse durch Pilze, Algen oder Bakterien. Der Begriff Plastisphäre wurde jedoch von Biologen eingeführt, um die lebende Mikrowelt zu beschreiben, die an Kunststoffteilchen in der Umwelt haftet. Überraschenderweise scheint Kunststoff viel mehr zu sein als nur ein menschliches Abfallprodukt: In marinen Ökosystemen wurde festgestellt, dass Kunststoffteile eine sehr spezifische Gemeinschaft von Pilzen, Algen und Bakterien mit sich tragen. Mit einem Mikroskop konnten wir einen genauen und intimen Einblick in ihren Lebensraum gewinnen. Im DIY Labor haben wir Plastik der Panke untersucht und die Formen und Formen der Interaktion von Organismen mit Plastik beobachtet. Für diesen Schritt haben wir einige interessante Partikel aus unserem Fang ausgewählt und die verfügbaren Mikroskope verwendet, um Kunststoffe und Lebewesen genauer zu analysieren.

Darüber hinaus haben wir ein zweistufiges chemisches Protokoll für die Analyse von (Mikro-)Kunststoffen in unseren Wasserproben verwendet. In unserem Fall umfassen Kunststoffe harte Kunststoffe, weiche Kunststoffe (z. B. Schäume), Filme und Folien. Mikroplastik wird durch seine Größe kleiner als 5mm definiert, also werden wir mit unseren Netzen (200 Mikron) alle Größen zwischen 5mm und 0,2mm fangen. In den kommenden zwei Tagen haben wir unsere Proben in verschiedene Gruppen aufgeteilt, damit wir die verschiedenen Verfahren miteinander vergleichen können.

Die festen Partikel im Boden oder in Gewässern sind eine Mischung aus Mineralien (abiogen: nicht von lebenden Organismen produziert), organische Materie, die Reste von Kohlenstoff aus lebenden Organismen oder deren Abfallprodukt darstellen, und seit kurzem synthetisierten anthropogenen Verbindungen, die ihren Weg in terrestrische und aquatische Ökosysteme gefunden haben.

Jede dieser Verbindungen hat einen spezifischen Dichtebereich und wird entweder in einer gegebenen Flüssigkeitssäule schwimmen oder sinken. Um diese drei Fraktionen von unseren Wasserproben zu trennen, haben wir sie nach ihrer Dichte getrennt. Mit einer gesättigten Salzlösung entsteht eine Flüssigkeit, in der sich Kunststoff und Mineralien deutlich voneinander trennen. Zuerst aber mussten wir alle organischen Verbindungen entfernen und nur Mineralien und Kunststoffe zurücklassen! Die Zugabe von Wasserstoffperoxidlösung (30%) zur Probe ist eine gängige Methode zur Eliminierung von organischen Substanzen, da diese stark mit dem gesamten organischen Kohlenstoff reagiert.

Workshop Übersicht und Protokolle hier
Dokumentationsdatei hier

Ergebnisse

- Um alles organische Material zu entfernen, führten wir eine nasse Wasserstoffperoxid-Oxidation durch (siehe Protokolle im obigen Link). Wir haben dies in zwei Gruppen durchgeführt: Eine Gruppe verwendete ein DIY-Protokoll mit einem Wasserstoffperoxidgehalt von 9% (aufgrund deutscher Vorschriften, die die Lösungsstärke für den allgemeinen Verkauf begrenzen) sowie andere Haushaltschemikalien, um das Experiment durchzuführen. Die andere Gruppe verwendete das Laborprotokoll mit 30% Wasserstoffperoxidlösung. Beide Gruppen konnten die Protokolle erfolgreich durchführen. Die vorgelagerten DIY-Proben (unter Verwendung von H2O2 aus Haarfärbemitteln) erzeugten Blasen und die Lösung hatte eine bräunliche rostige Farbe. Unter dem Mikroskop fanden wir vereinzelte mikroskopische Partikel, meist fadenförmige Fasern. Die stromabwärts gelegenen Proben enthielten mehr Mikroplastikpartikel, sowohl in Proben, die unter Verwendung von DIY- und Laborprotokollen oxidiert wurden.

- Es gelang uns, Kunststoffpartikel mit Fluoreszenzfarbstoff zu färben und unter dem Mikroskop getrennt von anderen abiogenen Substanzen zu identifizieren.

- Unter Verwendung von farbigen Flüssigkeiten unterschiedlicher Dichten haben wir eine DIY-Dichte-Säule erstellt und Plastikpartikel platziert (normalerweise zwischen 2-5mm in der Säule - siehe Abb.13 unten). Auf diese Weise lernten wir, wie man verschiedene Kunststofftypen, die in der Umwelt vorkommen, nach ihrer individuellen Dichte identifiziert.

- Zusätzlich konnten wir während des Siebprozesses verschiedene Flora und Fauna aus der Panke gewinnen. Unter den zahlreichsten waren kleine (<5 mm) Krebstiere sowie verschiedene Protisten. Eine Spektralanalyse einer vorgelagerten Wasserprobe steht bevor.

- Wir haben das Thema Mikroplastik in Wasser auch aus soziokulturellen und kunstwissenschaftlichen Perspektiven diskutiert. Unter den vielen erwähnenswerten Punkten diskutierten wir Plastik als ein weiteres "banales" Kohlenstoff-basiertes Molekül (inspiriert von Kats Kommentaren). Diese und andere Diskussionspunkte mündeten in eine breitere öffentliche Diskussion über Mikroplastik und DIY / DIY-Chemie.

Zeitplan

Freitag, 6. Juli 2018
16.30-18.30 (fakultativ) Treffen bei ALB mit Kat Austen und Nana MacLean und Mitgliedern von DIY Hack the Panke. Netze entlang der Panke auslegen.

Samstag, 7. Juli 2018 | Mikroplastik-Workshop - Teil I
10:00 Treffen bei ALB, Kaffee und Treffen / Briefing & Microplastic Einführungen mit Kat und Nana
10:45 Erkundung an der Panke und Proben aus den Netzen sammeln
11:45 ALB: Übersicht der Protokolle
12:00 Mikroskopanalyse und Beginn der chemischen Mikroplastikanalyse
13:30 Mittagspause bei Panke e.V
14:30 Mikroskopanalyse und chemische Analyse fortsetzen
15:30 Erstellung einer Mikroskopanalyse
16:00 Ende

Sonntag, 8. Juli 2018 | Mikroplastik-Workshop - Teil II
9:30 Brunch bei ALB
10:30 Uhr Arbeit mit Samples und Reaktionen vom Samstag
10:50 DIY chemische Protokollvorbereitung
13:00 Mittagspause
14:00 Letzte Experimente und Reinigung
15:30 Diskussion und Präsentation der Ergebnisse




Abb. 1 Foto: Art Laboratory Berlin


Abb. 2 Foto: Art Laboratory Berlin


Abb. 3 Foto: Art Laboratory Berlin


Abb. 4 Foto: Art Laboratory Berlin


Abb. 5 Foto: Art Laboratory Berlin


Abb. 6 Foto: Viki Alexander


Abb. 7 Foto: Viki Alexander


Abb. 8 Crustacean found in Panke, ca.5mm (mag.50x) Foto: Art Laboratory Berlin


Abb. 9 Foto: Viki Alexander


Abb. 10. Microplastics found using NILE red flourescent dye. Foto: Art Laboratory Berlin



Abb. 11 Foto: Viki Alexander


Abb. 12 Foto: Viki Alexander


Abb. 13 Foto: Art Laboratory Berlin



Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit DIY Hack the Panke.


Teil des Shared Habitats Projekts, organisiert von Institutio Media und finanziert von Nordic Culture Point



 

Mit freundlicher Unterstützung von: